Kaltes Haus = Kaltes Herz

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Hallo Leute!

Was passiert mit einem Mann, wenn sein Vater ihn als Arschloch bezeichnet? Martin Osterberg hat genau das erlebt. Doch als das passiert, hat er schon eine eigene Familie gegründet – mit seiner eigenen Familie will er aber am liebsten nichts mehr zu tun haben. Er ist nämlich in einer eigentlich heilen Familie aufgewachsen.

Das Kalte Haus

Daten

Autor: Martin Osterberg

Verlag: Piper

ISBN: 3492057896

Preis: 20€

Gebundene Ausgabe, 304 Seiten

Inhalt

„Ich habe einen Vater.
Ich habe eine Mutter.
Ich habe einen Bruder.
Ich fühle nichts.“

Mit diesen Zeilen beginnt der Mittfünfziger Martin Osterberg (übrigens ein Pseudonym) seine Lebensgeschichte.

Eigentlich ist Martin in einer absolut heilen Familie groß geworden. Er hat einen kleinen Bruder, sein Vater geht arbeiten, seine Mutter ist für die Kinder da. Doch er erlebt, was eine Kindheit in den 60er Jahren so mit sich bringt. Er wächst auf in einem Haus, in dem Wohlstand und Leistung mehr zählt als Liebe und Glück.

Und so baut Osterberg seine Geschichte auf einem Familienessen auf. Der Vater hat schon Wein getrunken, zu viel vermutlich. Und betrunken fallen die Worte „Martin, du bist ein Arschloch“ auch gar nicht schwer.

Davon ausgehend berichtet Osterberg von seinen Kindheitserinnerungen – vom Urlaub in Jugoslawien, den die Familie jedes Jahr mit dem Wohnmobil machte, aber auch vom ersten Mal, als sein Vater ihn nachts weckte, um die Mondlandung zu schauen.

Er erzählt aber auch von den Schlägen mit dem kaputten Kochlöffel, wenn die beiden Kinder nicht sofort geschlafen haben. Die Mutter scheint dagegen bis heute machtlos gegenüber zu stehen. Sie ist kaum in der Lage, ihrem Mann gegenüberzustehen, noch heute schweigt sie bei den seltenen Familienfeiern.

Erst als Martin eine eigene Familie gründet, spürt er, was das bedeutet – Nestwärme und Liebe zu geben und auch zurückzubekommen.

Fazit

Ich bin mit Mitte 30 gut 20 Jahre jünger wie Osterberg und gehöre daher wohl eher der Folgegeneration an. Meine Eltern haben den Krieg und das Leiden danach nicht mitbekommen, beide sind Anfang bzw. Mitte der 50er geboren.

Entsprechend ist es mir irgendwie schwergefallen, das Leiden einer Generation in der Geschichte zu erkennen. Papa weckt den Jungen, damit der Boxkämpfe schauen kann. Der Junge fährt nach Jugoslawien in den Urlaub – irgendwie entdeckte ich erst sehr spät die Kälte, die in dem intakten Haus herrschte, eigentlich erst, als Martin in die Pubertät kommt. Weil bis auf ein paar Schlägen mit dem Kochlöffel (das war zu den Zeiten eben noch so) konnte ich im Vergleich zu einer normalen Kindheit nicht viel entdecken.

Auch als Martin zum Studium nach Berlin geht, kann er sich nicht wirklich abnabeln, bleibt abhängig von den Eltern, fühlt sich ständig bedrängt.

Fazit

Mir fiel es irgendwie schwer. Das Buch soll wohl einer Generation Mut machen, die in einem leicht gleichgültigen Verhältnis zu den Eltern stehen. Aber ich habe beispielsweise nicht bemerkt, wie und warum er sich der Situation nicht stellt und versucht, sie zu ändern. Beim Familienessen ist der Vater dann nun auch schon etwas zu alt dafür, aber ich denke nun mal, zu einem Verhältnis gehören normalerweise immer zwei. Hier scheint aber alle Schuld beim Vater zu liegen.

Das Buch liest sich, als wäre es eine Abrechnung mit dem Vater, eine Art späte Rache dafür, dass sich Osterberg nicht wirklich abnabeln konnte.

Klar, möglicherweise bin ich zu jung dafür, um das Buch wirklich bewerten zu können. Für mich ist es aber keine extrem schlimme Kindheit, wo nur geschlagen wurde. Und das Leistungsprinzip… Wenn ich da Neueltern in meinem Bekanntenkreis anschaue, gilt das heute noch stärker als damals.

Von mir gibt es magere 3 Sterne.

In diesem Sinne

Eure Anke

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