{Zeitgeschehen – 5 Sterne} Die vergessene Tragödie im Kaukasus

Hallo Leute!

Mit Beslan verband ich bisher, dass da irgendwann mal irgendwas passiert ist. Ehrlicherweise hatte ich es sogar irgendwie mit dem Kosovo-Krieg verbunden. Aber die Wahrheit ist eine andere – Erika Fatland holt die Tragödie wieder ans Tageslicht.

Ort der Engel

Daten

Autorin: Erika Fatland

Verlag: btb

ISBN: 344264365

Preis: 9,99€

Taschenbuch, 288 Seiten

Inhalt

Das Schuljahr beginnt in der Schule Nr. 1 von Beslan dramatisch – in der Kleinstadt in der russischen Konfliktprovinz Nordossetien, nicht weit weg von Tschetschenien. Geiselnehmer mit fast unerfüllbaren Forderungen nehmen 1200 Geiseln in der Turnhalle, sie halten hauptsächlich Frauen und Kinder fest. Die meisten Männer werden sofort erschossen. 3 Tage steigert sich die Brutalität, bei mehr als 40°C dürfen die Kinder nichts trinken, müssen eng aneinander gequetscht sitzen.

Die Gangster wollen mit den Führern der Regionen sprechen, doch die sind nicht bereit dazu. Man will erreichen, dass Russland die Truppen aus Tschetschenien abzieht. Nach 3 Tagen stürmen Spezialeinheiten die Schule. Dabei kommt es zu mehreren Explosionen – 331 Geiseln sterben, die meisten davon sind Kinder.

Die Soziologin Erika Fatland reist 2007 und 2010 nach Beslan – das erste Mal sogar als freiwillige Helferin des Roten Kreuzes. Bodyguards begleiten sie Tag und Nacht, zu viel Angst hat man, dass sie als Druckmittel entführt wird. Sie redet mit den Menschen dort, Menschen, die ihre Kinder verloren haben, aber auch Menschen, die damals dabei waren. Sie erzählen ihr von den Erlebnissen, aber auch davon, wie diese Tragödie den kleinen 35000 Seelenort verändert haben. Sie geht auf den Friedhof, der nur für die Opfer aus der zerstörten Schule angelegt wurde, besucht auch die Schule, in der es damals passiert ist.

Fazit

Ehrlicherweise muss ich sagen – ich hatte mich mit dem Tschetschenienkonflikt bisher noch so gar nicht auseinandergesetzt. Ich wusste, dass da irgendwas mit Unabhängigkeit von Russland ist, über das wahre Ausmaß war mir wenig bekannt. Es liegt einfach gefühlt ohnehin viel zu weit weg, ab und zu hört man mal, dass ein Tschetschene einen Anschlag verübt – weiter ging mein Wissen bisher nicht.

Mit ihrer sozioanthropologischen Untersuchung führt Erika Fatland sehr feinfühlig in das Thema ein, schildert die dramatischen Stunden, wie sie es in ihren Gesprächen erfahren hat – erzählt Schicksale, etwa das der jungen Fotografin, die als erste fliehen konnte oder auch von der Schulleiterin, die immer wieder die verängstigten Kinder zur Ruhe bringen muss, eine unlösbare Aufgabe. Sie erzählt aber auch die Geschichte von einer Mutter, die sich entscheiden musste. Als die Säuglinge und ihre Mütter freigelassen werden, bleibt sie bei ihrer älteren Tochter und stirbt.

Berührend ist, wie sie über den Friedhof von Beslan geht und sich die Geschichten der Gräber erzählen lässt.

Für mich eine sehr feinfühlige Aufarbeitung einer beinahe vergessene Tragödie mit vielen Opfern, die eigentlich nur in der Schule lernen wollten.

In diesem Sinne

Eure Anke

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